Test: Soundiron Voices of Rage

Rundgang durch die Library, Anwendungsbeispiele

Die Instrumente werden über den File-Browser von Kontakt geladen:

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Hier finden sich die verschiedenen Darbietungen von Mixi, Aaron, Evan und Jason: Phrasen, Wordbuilder, Stimmeffekte.

Wir starten mit „Rage Phrases Mixi Sing“.

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Mixi bietet vier komplette Songs mit Phrasen, die jeweils mehrere Oktaven der Klaviatur belegen. Über die Quantität kann man sich also wirklich nicht beklagen, und auch der künstlerische Ausdruck und die Audioqualität lassen nichts zu wünschen übrig.

Über den Swell-Regler lässt sich zudem die Dynamik stufenlos steuern: Mittels MIDI-Lerndialog kann man diesen Regler durch einen externen Controller bedienen. Schaltet man den Time Mode von Free auf Sync, so lassen sich die Phrasen auch in weiten Bereichen artefaktfrei an das Tempo des Hosts anpassen. Nebenbei: Es ist mir ein Rätsel, wieso auch Anno 2016 immer noch einige Hersteller darauf verzichten, diese Tempo-Sync-Funktion bei ihren Kontakt-Instrumenten anzubieten. Bei Soundiron ist das Standard. Auch die Tonhöhe lässt sich verändern. Im Gegensatz zu anderen Soundiron-Libraries (etwa der Voice of Gaia – Reihe) werden allerdings keine Tonarten angegeben – aus gutem Grund: Voices of Rage bietet häufig einen Sprech- oder besser: Brüllgesang, der sich harmonisch nicht so genau festlegt.

Hören wir mal rein:

 

Das klingt doch schon schön deftig. Nicht zu überhören ist der Faltungshall des FX-Racks …

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… der auch ausgefallene Impulsantworten für verfremdende Effekte bereitstellt. Der Faltungshall ist bei allen Instrumenten der Library per default eingeschaltet. Nimmt man ihn heraus, erhält man, wie oben bereits erwähnt, angenehm trockene Samples und Phrasen, die sich bequem mit externen Pitch-Time-Spezialisten wie Melodyne bearbeiten lassen und denen man die unterschiedlichsten Effekte beimischen kann, ohne dabei gleich Raumanteile oder einen Hall mit durch den Wolf zu drehen.

 

Solchen Phrasen – aus Mixi Scream 1 – merkt man deutlich an, dass es bei den Aufnahmen richtig zur Sache ging …

 

… da bleibt es nicht aus, dass auch mal der Poppfilter überstrapaziert wird. Das gehört zum Genre.

Aaron Death 1:

 

Prinzipiell ist es möglich, die Phrasen auch mittendrin zu wechseln. Damit es nicht zu Überlagerungen kommt, schaltet man X-Fade ein. Nun spielt man das Instrument monofon. Die Samples werden praktisch unhörbar überblendet. Das Zeitfenster des Crossfades lässt sich zudem justieren.

Evan Death hört sich tatsächlich so an, als singe er aus der Gruft heraus. Hier mit zahlreichen X-Fade-Überblendungen und Modulation der Dynamik mittels Swell-Parameter:

 

Ich frage mich, welche Kräuter und Flüssigkeiten sich Jason einverleibt hat, um seine Stimme so klingen zu lassen. Jedenfalls dürfte es dem durchschnittlichen Heimstudiokomponisten schwer fallen, solche animalischen Ausdrucksformen selbst zu produzieren. Und findet man in der Nachbarschaft jemanden, der mit Jason mithalten kann, möchte man ihn vielleicht nicht ins Studio bitten. Hier ist Jasons Wordbuilder:

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Ich bin kein Death Metal – Spezialist, aber die Stimme hat mich zu diesem kleinen Krach-Clip inspiriert: Beteiligt sind beim Gesang das Virtual Mix Rack von Slate Digital mit diesen Effekten:

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Seit dem Test von u-he Satin verpasse ich kaum eine Gelegenheit, diese Bandmaschinensimulation einzubauen:

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Für den Raum sorgt Eventides Tverb:

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Die Drums stammen aus dem Repertoire von Toontracks EZdrummer.

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Den verwende ich immer wieder, weil er so lebendige Rhythmen und organisch klingende Kits anbietet und kinderleicht zu bedienen ist. Meiner Ansicht nach der beste Drummer, auch wenn die Sounds nicht so spektakulär und aufpoliert wie bei manchem Mitbewerber rüberkommen. Das EZX Progressive Metalesque sollte eigentlich den passenden Sound liefern. Wilde Stimmen brauchen wilde Drums, dachte ich, und habe deshalb eine Reihe von Fills aneinandergehängt. Als Effekte kommen zur Verwendung:

Fabfilter Pro-Q2:

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Der räumt untenrum auf und betont ein wenig die Snare sowie die Höhen. Ihm folgt der Hofa IQ-EQ 3. Was? What the fucking hell … zwei EQs? Erlaubt ist was gefällt. Der Hofa-IQ-EQ 3 ist dynamisch und macht die Drums lebendiger.

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Es folgt wiederum Satin und dann u-he Presswerk

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… für den nötigen Dampf. Am Ende kommt noch eine Tverb-Instanz. Schließlich sollen die Drums nicht im Vordergrund spielen, und der Gesang braucht einfach diesen gruftmässigen Hall.

Auch ein Bass soll nicht fehlen. Spectrasonics Trilian steuert einen Pick-Bass bei:

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Die Death-Metal-Bassisten benutzen doch hoffentlich ein Plektrum, oder hauen die mit den Fingern in die Saiten?

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Egal. Mit Brainworx Bassdude wird der Bass schön derb. Schließlich baue ich noch Waves Maserati Bass ein, um den Sound ein wenig runder und voller zu machen:

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Der Dynamic Spectrum Mapper von Pro Audio DSP ist ein wunderbar dynamisch reagierendes Mittel, den Pegel auf die Spitze zu treiben:

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So hört es sich an:

 

Schaltet man vom Wordbuilder zum Performance-Menü um, so findet man die eingangs erwähnten Schalter für die beiden Artikulationsvarianten (Evil und Rage) sowie Sustain und Staccato. Im Feld Lyrics wird das aktuelle Wort angezeigt, was sehr hilfreich ist, wenn man sinnvolle Sätze basteln möchte. Gelegentlich fällt es ein wenig schwer zu verstehen, was da ins Mikro gebrüllt wurde.

Noch ein Demo mit temposynchronen Phrasen, immer noch Jason:

 

Im Vergleich zu Jason sind diese Lyrics aus „Evan Singing“ regelrecht sanft:

 

Gleich drei Songs sind in diesem Instrument enthalten.

 

Evan kann aber auch anders:

 

Mixi Scream:

 

Je länger ich mit den Stimmen arbeite, desto besser gefallen sie mir – und das, obwohl dieses Genre eigentlich nicht mein Ding ist. Die Protagonisten, die hier am Werk sind, geben einfach alles, und das bedeutet eine Menge herrlich ungeschliffener Energie.

Eine Passage aus Aaron Death 2, einfach lieblich, wie er da singt. Die Gitarre stammt aus der Ueberschall-Library Feedback Guitar, als Gitarren-Effekt kam Positive Grid Bias FX zur Anwendung.

 

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