News: Der ewige Ärger mit den kostenpflichtigen Updates und wie man es auch anders machen kann – am Beispiel Soniccouture

Während andere die Hand aufhalten, wenn es ein Update gibt, hat Soniccouture einige Instrumente komplett überarbeitet, mit neuen Funktionen ausgestattet und bietet den Usern diesen Mehrwert kostenlos an.

Alleine das ständige Anpassen an neue Betriebssysteme beschert den Herstellern von Software-Instrumenten und Plug-ins Jahr für Jahr einen nicht geringen Arbeitsaufwand. Nicht wenige Entwickler lassen sich diese Produktpflege von den Usern vergüten, was bei manchem nicht gut ankommt.

Als ehrlicher Käufer hat man im Hinterkopf die Raubkopierer, die sich alles kostenlos herunterladen. Wenn man dann ein zweites und drittes Mal zur Kasse gebeten wird, ohne dass die Software mehr drauf hat, kommt ein gewisses Gefühl der Ungerechtigkeit auf – auch wenn der Verstand signalisiert, dass es berechtigte Gründe für den Aufpreis gibt. Meist bewegen sich diese Kosten allerdings in einem vertretbaren Rahmen.

Man muss natürlich zwischen reinen Aktualisierungen für neue Betriebssysteme und Updates unterscheiden, die einen regelrechten Ausbau der Software mit sich bringen und diese auf eine neues Level heben.

Ein paar Beispiele: Sonnox will weniger als 20 Pfund pro Plug-in. Großartige Neuerungen sind hier nicht dabei. Bei Antares kostet ein Update des Evo-Bundles rund 70 Dollar. Das neue Bundle heißt Avox 4 und beinhaltet die Mikrofonsimulation als Neuzugang, die zuvor separat erhältlich war. Damit geht der Update-Preis in Ordnung.

Native Instruments pflegt die riesige Produktpalette gratis. Große Updates von Kontakt oder Reaktor waren nur in zweiter Linie Anpassungen an neue Betriebssysteme. Sie zeichneten sich durch einen umfangreichen Leistungszuwachs aus und waren immer fair bepreist.

Auch bei Toontrack und Spectrasonics sind Updates, die Betriebssystem-Anpassungen darstellen, kostenlos. Große Updates bringen  einen deutlichen Mehrgewinn, also einen umfangreichen Zuwachs an Funktionen. Zu Toontracks EZdrummer 2 finden Sie bei uns einen Testbericht und ein Tutorial, zudem Tests zu Expansion Packs.

Es gibt Updates, denen regelrecht entgegengefiebert wird. Dazu zählten dieses Jahr Omnisphere 2 und Melodyne 4.

Unsere Spectrasonics Omnisphere 2 und Trilian-Tests sind wahrscheinlich die umfangreichsten und detailreichsten deutschsprachigen Tests. Die Update-Gebühr von 200.- EUR für Omnisphere 2 wurde von einigen Usern als zu hoch empfunden. Um sich die Wartezeit zu vertreiben, haben sich die Pro- und Kontra-Partei in einschlägigen Foren zu einem teils rüpelhaften Wortgefecht zusammengefunden. Wer sich genau ansieht, welchen Zugewinn an teils extrem aufwändigen Instrumenten plus neuen Funktionen und etlichen und teils spannenden Effekten das Update beinhaltet, wird den Preis als angemessen empfinden. Die Omnisphere-Entwickler haben beispielsweise Field-Recording in einem unterirdischen See betrieben und durch Schläge auf Stalaktiten ein dynamisch spielbares Percusssion-Instrument mit Round Robins gebaut. Hier wurde kein Aufwand gescheut. Der Einfallsreichtum der Produzenten ist bemerkenswert. Solch ein Kreativinstrument, bei dem man Monate, wenn nicht Jahre brauchen wird, um es komplett auszuloten, darf dann auch mal 352.- EUR (Vollversion bei Digital Networks) und 179.- EUR für das Update kosten.

Auch die Entwickler von Sequencern bringen regelmäßig kostenpflichtige Updates mit einer umfangreichen Liste neuer Features heraus, in der Regel zu fairen Konditionen. Allerdings muss man dann mitmachen, wenn der Rechner ein neues Betriebssystem erhält.

Celemony hat kürzlich eine komplett überarbeitete und mit neuen, revolutionären Features ausgestattete Version von Melodyne Studio 4 herausgebracht, ebenfalls für Alt-Besitzer sehr fair bepreist.

Ein weiteres Beispiel für relativ kostengünstige Updates/Aktualisierungen mit einem deutlichen Funktionszuwachs der Plug-ins ist der Hersteller von Physical Modelling – Instrumenten AAS.

Die Update-Strategie ist also bunt gemischt. Kostenpflichtige Updates werden akzeptiert, wenn die Hersteller nicht nur eine Anpassung an neue Betriebssysteme, sondern auch neue Features bieten, wenigstens ein kleiner „Mehrwert“ sollte drin sein, etwa eine Verbesserung der Oberfläche, kleine Ergänzungen der Funktionen oder eine Überarbeitung der Algorithmen mit dem Ergebnis einer besseren Audioqualität.

Es gibt kaum ein Plug-in oder Software-Instrument, zu dem nicht in Foren Verbesserungsvorschläge gemacht werden. Neben allerlei Unsinn sind auch gute Ideen dabei. Die Hersteller beobachten solche Diskussionen meist sehr genau, sodass ihnen die Wünsche der Kunden bekannt sind.

Alternativ bieten inzwischen einige Hersteller Abonnements an, die sowohl einen Zuwachs des Plug-in- bzw. Instrumenten-Arsenals beinhalten, als auch eine laufende Aktualisierung. Slate Digital hat ein sehr faires Abonnement.

EastWest bietet mit der Composer Cloud Zugriff auf ein riesiges (und teures) Arsenal von Instrumenten zu einem monatlichen Taschengeld.

 

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Bei sinkenden Budgets für die Filmmusik ist das eine kleine Sensation: Für den eines Abendessens am China-Buffet orchestriert man mit einem Ein-Monats-Abo die Produktion im Hollywood-Style.

Waves und der WUP sind ein Spezialfall: Hier kauft man erst das Plug-in oder Bundle – inzwischen durch permanente rotierende Sonderaktionen zu günstigen Preisen, und wird zur Kasse gebeten, wenn man nach Ablauf eines Jahres Support oder eine Aktualisierung benötigt. Der Betrag hängt vom Umfang der persönlichen Plug-in-Library ab und kann bei 300.- EUR liegen. Dafür gibt es bei Bundles regelmäßig Neuzugänge (speziell bei den großen Bundles), die dann kostenlos hinzukommen. Außerdem gibt es einen Gutschein, der teilweise auch auf rabattierte Produkte angewendet werden kann.

Soniccouture zeigt, dass es auch anders geht: Pan Drums, Konkrete, Array MBira und Xtended Piano haben weit mehr als ein Facelifting erhalten. Es sind neue Funktionen hinzugekommen. Als ich die Box of Tricks mit dem phantastischen Rhythmus-Generator „Euclidean Beats“ getestet habe, kam schon der Wunsch auf, solch ein Werkzeug auch für andere perkussive Instrumente einsetzen zu können. Per MIDI-Pattern-Export ging das schon. Eine direkte Gestaltung innerhalb des Instruments ist natürlich eleganter. Die Drummachine Konkrete hat nun das Euclidean-Beats-Modul an Bord.

recording und studiotechnik

Das großzügige, kostenlose Update könnte dazu führen, dass mancher User auf Soniccouture-Instrumente aufmerksam wird, die er noch nicht besitzt, und die ebenfalls interessanter geworden sind. Der Strummer der Array Mbira verfügt nun beispielsweise über mischbare Pickup/Mikrofon-Kanäle.

Und das Beste: Bis zum 24. Juli gibt es ausgesuchte Soniccouture-Libraries, die nun auch zu Native Instruments Kontrol-Keyboards kompatibel sind (NKS: Die Instrumente enthalten ein fertiges Mapping zur Steuerung über die Controller der Keyboards).

Hier geht es zu Soniccouture.

Auf Releasetime haben wir bislang nur Geosonics von Soniccouture getestet.

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Im Anwendungsbeispiel „In der kalten Schachtel“ kommt Konkrete zum Einsatz.

Autor: Holger Obst

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