Test: u-he Satin

Satin und die Alternativen

Wollte man die gesamte Bandbreite von Bandmaschineneffekten abdecken, so reichte bislang eine Emulation nicht aus: Waves Reel ADT zielt beispielsweise auf das künstliche Doppeln von Gesang und Instrumenten, eignet sich aber weniger für das Mastern; bei iZotope Vintage Tape aus Ozone 7 verhält es sich genau andersherum: Dieses Plug-in ist für den Vintage-Sound bei Gruppensignalen und beim Mastering eine gute Wahl, klingt aber definitiv zu dezent für Spezialeffekte und verfügt hierfür auch nicht über die notwendigen Parameter. Gelungene Simulationen spezieller Bandmaschinen finden sich für die UAD-Plattform, daneben die Studer-Emulation J37 aus dem Waves/Abbey Roads Bundle. Wer dann auch noch ein analoges Bandecho in guter Qualität haben möchte, wird ebenfalls fündig: Von Soundtoys bis zur Roland-Bandecho-Emulation für die UAD trifft man auf eine reiche Auswahl. Unterm Strich waren es also mindestens drei Plug-ins, die man benötigt: eine High-End-Master-Bandmaschine, eine Effekt-Bandmaschine mit bei Bedarf ausgeprägtem Wow und Flutter und ein Bandecho.

Angesichts dieser Vielfalt reagiert man schnell verwirrt und weiß nicht so recht, wo man nun zuschlagen soll. Zu allem Übel merkt man auch, dass gute Bandmaschinensimulationen nicht gerade billig sind. Die nicht zu Unrecht hoch gelobten Emulationen für die UAD verlangen gar eine DSP-Hardware.

Die vergleichsweise hohen Preise mögen damit zusammenhängen, dass Bandmaschinen auf vielfältige Weise nicht linear auf die eingehenden Audiosignale reagieren: Sättigung, das Verhalten bei Transienten, Kompressionseffekte oder Übersprechungen sind vom Frequenzgang und der Lautstärke der eingehenden Signale abhängig. Hinzu kommen Variablen wie das Kalibrieren von Tonköpfen, die Wahl des Magnetbandes, die Bandgeschwindigkeit. Die nicht-linearen Parameter und die fixen Vorgaben stehen dabei in einer Interaktion. Für die Emulation bedeutet das, dass man praktisch beliebig viele Messungen und näherungsweise Simulationen der diversen Zustände durchführen kann, um ein ebenfalls nicht-lineares Modell mit „Stellschrauben“ zur individuellen Anpassung zu erschaffen. Der Aufwand, der hier betrieben werden kann, ist also groß – und treibt letztlich auch den Preis der fertigen Produkte in die Höhe.

Recording und Studiotechnik

Anstatt nun in drei nicht gerade billige Plug-ins zu investieren, bietet sich mit u-he Satin ein Allrounder an. Der Multi-Analogsynthesizer Diva und der Kompressor Presswerk, beide ebenfalls von u-he, haben uns rundum überzeugt – wir werde sehen und hören, ob das bei Satin auch der Fall ist.

 

Inhalt:

Einleitung
Satin und die Alternativen
Satin im Überblick
Zusammenfassung
Die Architektur
Der Delay-Modus
Der Flange-Mode
Satin im Mehrkanalbetrieb / CPU-Leistungseinforderung
Fazit