Test: u-he Satin

Satin im Mehrkanalbetrieb / CPU-Leistungseinforderung

Sie haben sich sicher schon gefragt, wozu die Gruppenfelder im Studio-Modus sind.

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Satin verfügt über eine kanalübergreifende Mehrspur-Funktion. Wer seinen Mixer mit einer Mehrspur-Bandmaschine kombinieren will, braucht eigentlich nichts weiter zu tun, als entsprechend viele Instanzen von Bandmaschinen-Plug-ins in die Kanäle zu laden. Mit jedem weiteren Instrument, das man mit Satin versorgt, nähert man sich einem echten Bandmaschinensound früherer Zeiten. Diese Operation schweißt auch den Mix zusammen und liefert einen stimmigen, runden Klang.

Der Clou an der Sache ist, dass man alle Satin-Instanzen, denen man die selbe Gruppe zugewiesen hat, nun über eine (beliebige) Instanz steuern kann. Verändert man dort einen Parameter, etwa die Bandgeschwindigkeit oder das Bandrauschen, so wird diese Veränderung auf alle anderen Instanzen der selben Gruppe übertragen. Will man von solchen Operationen einzelne Parameter in bestimmten Instanzen auslassen, so blockiert man diese in der jeweiligen Instanz per Rechtsklick und Lock-Funktion.

Bei dieser Instanz von Satin …

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… würde beispielsweise der Speed-Parameter über alle anderen Satin-Instanzen der Gruppe 2 reguliert werden können, Pre-Emphasis (unter anderem maßgeblich für die Präsenz der Höhen) jedoch nicht.

Abgesehen davon, dass man nun einen maßgeschneiderten Bandmaschinensound auf die Beine stellen kann, ist es eine enorme Arbeitserleichterung, bei laufendem Playback beispielsweise andere BIAS-Werte oder unterschiedliche Rauschunterdrückungssysteme gleich für alle Instanzen der Gruppe auszuprobieren, ohne immer wieder hin und herschalten zu müssen. Eine globale Animation der Bandgeschwindigkeit kann als Special-Effekt genutzt werden: Man steigert den Sound von Lo-Fi-Vintage mit 1,87 ips zu einem High-End-Sound mit 30 ips. Das funktionierte auf unserem Testsystem unter Cubase 8.5 reibungslos: Die Automation musste nur für eine Instanz aufgenommen werden und wurde danach problemlos von allen anderen Instanzen nachvollzogen.

Zum Glück wird die Freude über eine solch durchdachte Multi-Instanzen-Architektur nicht durch übermäßig hohe CPU-Lasten gedämpft. Satin gibt sich gemessen an der exzellenten Leistung was Funktionsumfang (= Berechnungsaufwand) und Klang betrifft, ausgesprochen genügsam. Auch ältere Rechner dürften mit Satin in mehreren Instanzen zurechtkommen – im Zweifelsfall lohnt es sich immer, die Demo-Version zu testen. Eine ausgewachsene Mehrkanal-Lösung mit vielen Satin-Instanzen dürfte sowieso eher bei der Arbeit am Mix angesagt sein, wenn die Einspielphase, bei der man niedrige Latenzen benötigt, vorüber ist. Ungeachtet dessen sind auch live mehrere Instanzen kein Problem, etwa ein Dopplungs-Effekt für die Vocals, fetten Sound für die Drums und ein Bandecho oder Flanging für die Gitarre.

 

Inhalt:

Einleitung
Satin und die Alternativen
Satin im Überblick
Zusammenfassung
Die Architektur
Der Delay-Modus
Der Flange-Mode
Satin im Mehrkanalbetrieb / CPU-Leistungseinforderung
Fazit