Interview: Peter M. Mahr

Begegnung im Studio

 

Peter M. Mahr:

Es muss Ende der 80er gewesen sein, als sich durch Zufall meine erste Kollaboration ergab. Auslöser war ein Inserat im „bazar“. Kurz zur Erklärung, der „bazar“ war eine österreichische Zeitschrift, in der man Dinge zum Kauf anbieten konnte. Es war also die lokale Printversion von dem, was eBay der virtuellen Welt später beschert hat. Allerdings war der „bazar“ kundenfreundlicher.

Es war eine Linn LM1, die mein Interesse weckte. Und so rief ich den Verkäufer an. Kurze Zeit später war ich dann im Studio von Manfred (Kaindel), dem Verkäufer. Wir haben letztendlich nur ganz kurz über die LM1 und seine neu erstandene MPC-60 gesprochen, und uns vielmehr über Musik und Ideen ausgetauscht. Schnell war klar, dass sich da zwei gefunden hatten. Und Tage später stand mein Matrix-12 und der DX-7 bei ihm im Studio.

Einige Zeit später hat Manfred mir einen Entwurf vorgespielt, der mir außerordentlich gut gefiel und er meinte, „da brauch ma a Sax“ …. Manfred kannte die Rabitsch Brüder, die damals bei Falco in der Band spielten und so war klar, dass kein geringerer als Othmar Klein kontaktiert werden sollte. So schnell konnte ich nicht schauen, war der Termin vereinbart und ich an dem Tag als er kam ziemlich nervös. Auf die Minute genau kam ein unheimlich sympathischer und unprätentiöser Mann, der sich uns mit „Hallo, ich bin der Othmar“ vorstellte. Wir erklärten ihm schnell, was wir uns von ihm wünschten, Manfred spielte die Passage vor und begann die Line zu singen. Othmar nahm sein Saxophon, wärmte sich im Aufnahmeraum auf und meinte dann, wir sollten doch das Tape mal starten, er möchte jetzt einmal dazu spielen, damit wir eine Diskussionsbasis haben.

 

Was soll ich Dir sagen? Während Othmar das Solo eingespielt hat, sahen Manfred und ich einander an. Dann meinten wir in Richtung des jeweils anderen „Bist Du deppat? Des is a Wahnsinn!“. Ich glaube Manfred fragte „was moch ma jetz?“ … es war einfach perfekt und wir wollten ihn nicht einfach so weggehen lassen, zumal er diese Version ja nur als Diskussionsgrundlage eingespielt hatte. Wir baten ihn in den Abhörraum, spielten die Passage vor… heute glaube ich, dass taten wir nur, damit wir Zeit gewinnen [lacht]. Bei einem Abschnitt gegen Ende des Solos meinte Manfred ob Othmar denn nicht an dieser Stelle die Phrasierung anders setzen könnte – ein innerliches „uff“ war fast hörbar – und dass er das Solo wie in dieser Version beendet. Othmar hat sich den Vorschlag angehört und ist mit den Worten „Lasst uns das noch einmal aufnehmen“ in die Kabine verschwunden. Gesagt getan, er spielte das Solo mit der Änderung ein und wir waren ein weiteres Mal beeindruckt. Anschließend machte sich Ratlosigkeit breit, denn beim Abhören hat das Solo geflangt. Wir sind kurz etwas in Panik geraten, weil wir nicht wussten von wo verdammt nochmal plötzlich der Effekt her kam und ob wir womöglich die Saxophonaufnahme irrtümlich mit einem völlig unpassenden Flanger versaut hatten. Was zumindest mir damals ziemlich peinlich gewesen wäre. Als dann aber der Abschnitt kam, den er anders eingespielt hatte, war uns plötzlich klar, von wo das Flanging kam. Wir hatten unabsichtlich beide Solospuren offen und er hat derart präzise gespielt, dass es geflangt hat! Was mir heute noch eine Gänsehaut beschert. Selbst am Ende des Solos kam er wieder so zurück, dass es über weite Strecken geflangt hat. Das Solo hatte schon ein paar Schmankerln zu bieten, da war zu Beginn das Crescendo mit Vibrato und dann ging es los. Zu der Zeit hörten wir beide ziemlich viel David Sanborn…

Seit dieser Erfahrung habe ich einen tief empfundenen Respekt für Musiker, die ihr Musikinstrument – im positiven Sinn – beherrschen. Was ich dabei auch gelernt habe, war, dass viele von denen, die wirklich gut sind, im Umgang freundlich und völlig unkompliziert sind. Für mich war das in vielerlei Hinsicht eine sehr positive Erfahrung. George scheint mir vom Typ her genauso zu sein.

 

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