Test: u-he Uhbik

Uhbik Grains & Pitch ist ein Granular Pitch Shifter, der historisch auf einen „Apparat zur unabhängigen Kontrolle von Tempo und Tonhöhe bei Tonaufnahmen“ des deutschen Erfinders Hermann Scherchen gründet. Scherchen hatte seinen „Apparat“ kurz nach Erscheinen der ersten Tonbandgeräte in den 30er Jahren gebaut (Quelle: Manual Uhbik). Um es kurz zu fassen: Dabei geht es um ein Auslesen von Audiofragmenten aus einem fließenden Signal bei gleichzeitiger Veränderung der Tonhöhe, heute als Granuar-Synthese geläufig. Aber wussten Sie schon, dass der Eltro Information Rate Changer (als früher Granular Effekt) für die Szene aus Kubricks 2001 – Odysee im Weltraum verwendet wurde, in der der Super-Computer HAL abgeschaltet wird (und dabei ebenso befremdlich wie herzzerreißend „Hänschen Klein“ singt?).

Beim Fragmentieren in Grains kann man heute auf digitaler Ebene die Länge der Schnipsel (grain size) und deren Tonhöhe (pitch) manipulieren. Letzteres funktioniert bei Uhbik-G in Halbtonschritten (und per Shift-Klick in noch feineren Zwischenwerten) und grob bis zu vier Oktaven. Tief gestimmte Grains führen zu solch düsteren Keller-Klängen wie bei den Vocals im letzten Audiodemo, hoch gestimmte Grains produzieren im Extremfall flirrende Effekte. Bei Transponierungen nach oben können auch die sogenannte Mickey-Maus-Effekte auftreten.

Stellt man für Scale negative Werte ein, so werden die Grains rückwärts abgespielt. In der neutralen 12-Uhr-Position wird nur ein einzelnes Samples abgespielt. Durch die Überlagerung der Grains kommt es dabei zu einem Effekt, der ähnlich wie eine Reduzierung der Samplerate mit gleichzeitigem Tiefpass-Filter klingt.

Bei langen Grains kann es – am Beispiel unseres Drum-Beats – zu solchen Effekten kommen:

 

Verkürzt man die Grains, so kommt der ursprüngliche Beat wieder zum Vorschein:

 

… mit deutlichem Lo-Fi Charakter.

Uhbik-G hat aber noch mehr zu bieten:

  • Da wäre einmal der Offset-Parameter. Diesen kennen wir bereits: Er skaliert den Effekt für alle beteiligten Kanäle unterschiedlich.
  • Reset und Auto-Reset startet die Grains (automatisch oder manuell) nach einer Pause neu.
  • Alternativ steht ein Phase-Vocoder-Modus bereit.
  • Iteration führt das Ausgangssignal zurück zum Eingang des Effekts und bewirkt damit kontinuierlich steigende oder fallende Tonhöhen, sozusagen sich bewegende Grain-Wolken. Bei kurzen Grains kann dieses Feedback zu metallischen Klängen bzw. Resonanzen führen, bei längeren Grains entstehen verwischte, wolkige Sounds, hier am Beispiel der Drums:

 

Beim letzten Audiodemo bewirkte übrigens eine geringfügige Abweichung des Offset-Parameters von der neutralen 12-Uhr-Position deutlich unterschiedliche Klangveränderungen zwischen der linken und rechten Seite.

 

Inhalt:

Einleitung
Zusammenfassung
Installation
Die Details
Uhbik-A – Ambience Processor
Uhbik-D – Delay
Uhbik F – Post Retro Flanger
Uhbik P – Pre Future Phaser
Uhbik G – Grains & Pitch
Uhbik Q – Equalizer
Uhbik-S – Frequency Shifter
Uhbik-T – Trans Modern Pan & Tremolo
Runciter – Distorting Filter (digital filter)
Surround
Fazit